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| 20 Jahre "Super Mario" - Vom Tischler zum Porno-Klempner |
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Mario, der wohl bekannteste Videospielheld, wird 20. In seinem bewegten Leben schulte er vom Tischler zum Klempner um, half Nintendo aus der Krise, und überholte Mickey in Sachen Popularität. Sogar für Pornographisches wurde der Latzhosenträger eingespannt.

Klempner Mario: Benannt nach dem zornigen Vermieter
Der Mann ist ein Arbeitstier. Seit seiner Geburt ist er in über 70 verschiedenen Spielen aufgetaucht und hat dabei immer wieder Meilensteine gesetzt. Dabei verdankt der umtriebige Klempner seine Karriere einer ernsthaften Krise bei seinem Mutterkonzern Nintendo. Ende der Siebziger Jahre mangelte es dem japanischen Videospielkonzern auf dem hart umkämpften Markt der Spielhallenautomaten an einem wirklichen Erfolgsspiel. Das Spiel "Radarscope" sollte die Wende bringen, doch in den USA mutierte dieser Titel zum Flop.
Firmenchef Hiroshi Yamauchi bestellte daraufhin den Mann in sein Büro, der bisher die Grafiken auf den Automaten gezeichnet hatte. Sein Name: Shigeru Miyamoto, damals 27 Jahre alt und beruflich durch seinen Hang zu Hobbys wie Banjo spielen oder Beatles-Platten eher ein Spätstarter. Seine Anstellung bei Nintendo verdankte er zum guten Teil den Kontakten seines Vaters, den Yamouchi persönlich kannte. Nun bekam Miyamoto seinen ersten Job als Spieldesigner und heraus kam "Donkey Kong", das trotz seines ungewöhnlichen Titels gleich zum Erfolg wurde. Als Retter der Prinzessin vor dem Fässer werfenden Affen trat Miyamotos spätere Lieblingsfigur noch unter dem Namen "Jumpman" auf und war in beruflich auch noch als Tischler klassifiziert.
Die Rolle des eigentlichen Namensgebers übernahm der Leiter des New Yorker Nintendo-Büros Minoru Arakawa. Durch die fehlenden Erfolge kam es bei der US-Zweigstelle immer wieder zu finanziellen Engpässen, bei denen sich regelmäßig der Vermieter des Büros über ausbleibende Zahlungen aufregte. Beim ersten Blick auf die Charaktere in "Donkey Kong" fiel Arakawa sofort die Ähnlichkeit zwischen "Jumpman" und dem Vermieter Mario Segale auf. Fortan trug die Figur den Namen Mario und wurde im Nachfolgespiel "Donkey Kong Jr." auch offiziell so benannt.
1983 standen für Mario weitere Änderungen an: Miyamoto verwandelte seinen Schützling im Spiel "Mario Bros" vom Tischler zum Klempner und gab ihm als Begleiter noch seinen Bruder Luigi mit auf den Weg durch die unzähligen Levels. Dieses Spiel besiegelte endgültig den Erfolg des Charakters und wurde in den kommenden Jahren durch weitere Titel wie "Super Mario Bros." noch einmal ausgeweitet.
Bekannter als Mickey, so sexy wie Lara Croft?
Neben Pac-Man oder Lara Croft ist Mario wohl der populärste Videospielcharkter überhaupt geworden, und noch bis heute erscheint zu jeder neuen Spielkonsolengeneration von Nintendo auch ein Spiel ihrer hüpfenden "Cash Cow". In den USA ist der Pixelklempner angeblich bekannter als Mickey Mouse.
Selbst Hollywood konnte irgendwann den Erfolg des Latzhosenträgers nicht mehr ignorieren. Zwischen 1989 und 1992 gab es verschiedene Cartoon-Serien mit den beiden bunten Italienern, doch auch die große Leinwand sollte "mariosiert" werden. Unter der Regie von Annabel Jankel und Rocky Morton entstand 1993 der Spielfilm "Super Mario Bros" und Bob Hoskins übernahm angesichts einer gewissen Ähnlichkeit die Hauptrolle.
Wirklich stolz wird Hoskins bis heute auf diese 104 Minuten nicht sein - der Film fiel an der Kinokasse gnadenlos durch und selbst Videospielfans können diesen Film gerade mal als Kuriosität sehen. Eine gewisse Rehabilitation widerfuhr Mario in der Filmstadt im letzten Jahr: Das "Hollywood Wax Museum" am "Boulevard of Fame" nahm Mario in seine Sammlung auf - und damit verdrängte der Videospielheld Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss aus der Matrix-Trilogie beim begehrten Platz in der Lobby. Auf dem von der Spieleindustrie neu erfundenen "Walk of Game" bekam Mario im März selbstverständlich einen der ersten Sterne.
Sogar eine Straße heißt nach dem Klempner
Neben Lara Croft darf wohl sonst nur Mario von sich behaupten, auch in ganz andere Bereiche der kalifornischen Medienmaschinerie vorgestoßen zu sein. Dem in den USA überaus bekannten Pornodarsteller Ron Jeremy wurde über Jahre eine Ähnlichkeit zum Videospielhelden nachgesagt. Er drehte dann selbst zwei Teile von "Super Hornio Bros.", in denen er mit Latzhose und roter Kappe seinem Geschäft nachging.
Etwas familienfreundlicher war da schon eine Namensgebung in Schweden. Dort gibt es im Ort Bergsala die "Marios gata", eine eigene Straße mit dem Namen der Computerspielfigur.
Shigeru Miyamotos Erfindung wird der Videospielwelt weiter erhalten bleiben. Kritiker sehen in der Jump & Run-Figur aber auch fehlenden Innovationswillen von Nintendo, die über die Jahre Mario mit immer neuen Franchise-Titeln ausstatteten. Er hat mittlerweile eigene Tennis-, Golf-, Baseball- und Kartspiele und passend zur kommenden Fußballweltmeisterschaft erscheint Mitte November mit "Mario Smash Football" auch der erste Fußballtitel. Für 2006 hat Nintendo seine neue Konsole "Revolution" angekündigt und Miyamoto arbeitet schon längst am neuen Spiel "Mario 128", das wieder einmal neue Maßstäbe setzen will. Bis zur Rente wird Mario wohl definitiv noch warten müssen.
Quelle: $this->formaturl('http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,374579,00.html','Spiegel Online')
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